Im übertragenen Sinne

Wolfgang Tillmans

Vorgestern Abend hatte ich einen tieftraurigen Moment, als ich die Tate Modern verließ und nach Sonnenuntergang über die Millenniumsbrücke ging. Beide im Jahr 2000 eröffnet, beide Symbole einer neuen Offenheit. Es war ein neues London, das seit Beginn der Neunziger gebaut wurde, selbstbewusst in der Mitte Europas angekommen. Ich schaute auf den Himmel im Westen und mir wurde klar, dass dies der letzte Abend vor einer neuen Ära sein könnte. Dass ich heute nicht deprimiert bin, zeigt mir, dass meine Trauer der Ausbruch einer langen Ahnung war, die Tony Blair letztes Jahr formulierte. Er wollte seine Parteigenossen davon abhalten, den links-populistisch angehauchten Jeremy Corbyn zum Labourchef zu wählen. Seine Generation, so Blair, müsse völlig neu denken, denn das politische Klima sei Teil von etwas Größerem: „Dies ist eine große Aufwallung gegen die Ungerechtigkeit der Globalisierung, gegen Eliten, gegen die stumpfsinnige Art der Entscheidungsfindung in einer unvollkommenen Welt.“ Nun ist die erste Welle über eine dieser Institutionen hereingebrochen. Aber die Populisten greifen nicht das Übel an, sondern die Flüchtlinge, die UN, die EU. Die Festen unserer freien Weltordnung zu verteidigen, ist jetzt unsere Aufgabe. Wir sind noch die Mehrheit.

Der Künstler Wolfgang Tillmans, geboren 1968 in Remscheid, lebt in Berlin und London.

gefunden at  msn nachrichten 

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